Wir sind Helden

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Wir sind Helden

Beitrag von elaine990 am Mi Jan 11, 2012 8:53 am

Kann man einer Sängerin vertrauen, die den Namen Judith Holofernes (bürgerlicher Name: Judith Holfelder von der Tann) trägt? Deren biblische Namensgeberin durch das Köpfen eines Mannes (des Feldherren Holofernes) in die Geschichte eingegangen ist? Zumindest drei Männer haben sich nicht abschrecken lassen: Zusammen mit dem Keyboarder und Gitarristen Jean-Michel Tourette (Jens Eckhoff) und Schlagzeuger Pola Roy (Sebastian Roy) formiert sich um 2001 herum die Berliner Band Wir sind Helden, die durch den etwas später hinzu stoßenden Bassisten Mark Tavassol ihre Komplettierung erfährt.

Der attraktive Blickfang Judith Holofernes sammelt bereits mit 14 Jahren Erfahrungen als Straßenmusikerin in Freiburg. Ende der neunziger Jahre tritt sie, sich selbst an der Gitarre begleitend, als Solokünstlerin in Berliner Clubs auf. In dieser Zeit veröffentlicht sie mit "Kamikazefliege" und "BeSonic.com" zwei CDs. Auf der Suche nach männlichen Begleitmusikern trifft Judith bei einem "Pop-Workshop" in Hamburg auf Jean-Michel und Pola. Die "Helden" sind geboren.

Sie selbst beschreiben ihre Musik als "Synthie-Punk-Pop", der sich in "28 % Synthie, 34 % Punk und 38 % Pop" aufschlüsselt. Einige der Songs, die Holofernes für ihre eigenen CDs komponiert, sind mittlerweile Bestandteil des Live-Programms der Band. Mit einer ersten, auf 3000 Stück limitierten (und inzwischen längst ausverkaufen) EP gelingt der Gruppe in der Hauptstadt ein nicht kleiner Achtungserfolg. So ist es naheliegend, dass im Februar 2003 bundesweit die Maxi-CD "Guten Tag" erscheint, die die Helden erstmals einem größeren Publikum bekannt macht. Das Video erreicht die Musiksender, ein (noch) bescheidener Charts-Eintritt erfolgt, und der Wunsch von Judith Holofernes, den sie auf dem offiziellen Debüt besingt, wird Wirklichkeit: Bei einer Einladung zur "Harald Schmidt Show" präsentiert sich die Sängerin als symphatische und schlagfertige Gesprächspartnerin mit Charme und Ausstrahlung.

Mit "Müssen nur wollen" erscheint am 12. Mai 2003 die zweite Maxi-CD der Berliner, Anfang Juli folgt mit "Die Reklamation" das erste Album. "Die Zeit heilt alle Wunder", stellt Judith auf der Debüt-Maxi nachdenklich fest. Doch durch das Potenzial der Gruppe, ihren versiert arrangierten und getexteten Titeln, gepaart mit in vielen Club-Gigs bereits erworbener Praxis bleibt ein fester Platz im deutschen Musik-Himmel keine Utopie.

Die Mischung aus unkomplizierten, geradeheraus gespielten Nummern und einfühlsamen Balladen überzeugt durch gekonnte Texte und gelungene Melodiebögen. Assoziationen an die besseren Songs der Neuen Deutschen Welle sind erlaubt und beabsichtigt. Mit manchmal naiv wirkenden und doch überlegten Lyrics beweisen Wir sind Helden ihr Gespür für farbigen Umgang mit der deutschen Sprache, z. B. in "Denkmal": "Hol' den Vorschlaghammer/ Sie haben uns/ ein Denkmal gebaut/ und jeder Vollidiot weiß/ dass das die Liebe versaut/ ich werd' die schlechtesten Sprayer dieser Stadt engagieren/ sie sollen nachts noch die Trümmer/ mit Parolen beschmier'n."

Ja, man kann Judith Holofernes vertrauen, denn ihr biblisches Pendant schlug dem Feldherrn Holofernes den Kopf schließlich nur ab, um damit heldenhaft ihr eigenes Volk zu retten. Die deutsche Musikszene benötigt ebenfalls dringend Helden, die frisch und unverbraucht dem Pop neue Impulse geben können. Der Weg dorthin ist mit genügend Widrigkeiten gepflastert, die eine gewachsene, live-erfahrene Gruppe aber sicher besser - und mit längerem Atem - bewältigen kann als künstliche, austauschbare Popstar-Produkte vom Reissbrett. Helden müssen tapfer sein.

Und das sind sie: Die vier überstehen den sie überrollenden Presserummel, verscherbeln über 500.000 Einheiten ihres Debüts und verkaufen nebenbei ihre Tournee aus. Vom Echo 2004 tragen die Helden verdienter Weise gleich drei Preise nach Hause. Sie gewinnen in den Kategorien "Nationaler Newcomer Videoclip", "Nationaler Nachwuchspreis der Deutschen Phono-Akademie" und "Nationaler Radio-Nachwuchspreis".

Doch natürlich ruhen sich Helden nicht auf ihrem Erfolg aus. Nach einem Tour-Marathon quer durch die Republik und befreundete Nachbarstaaten trifft sich die Band wieder im Studio. Ziemlich locker scheinen sie mit den Erwartungen, die alle Welt nun an sie stellt umzugehen. Denn heraus kommt mit "Von Hier An Blind" ein Album, das schon nach wenigen Wochen Platin-Status erreicht. Auch die Konzerte zum Album sind zum Großteil schon vor Beginn der Tournee ausverkauft.

Mit der neuen Scheibe erobern Wir Sind Helden sogar den amerikanischen Markt. "Von Hier An Blind" wird von iTunes als "persönlicher Geheimtipp" angepriesen. Die Strategie zeigt Wirkung: im Februar 2006 steht "Von Hier An Blind" bereits auf Platz 16 der US-iTunes-Charts.

Bereits zu dieser Zeit leidet Judith Holofernes regelmäßig unter schwangerschaftsbedingter Übelkeit, so ist ab Herbst 2006 erst mal eine Babypause angesagt. Erst im Frühjahr 2007 meldet sich die Band zurück und kündigt "Soundso" an. Die Veränderungen im ALltag hinterlassen auch an der Musik ihre Spuren. "Bring Mich Nach Hause" verspricht linksgefärbte Bürgerlichkeit im warm beheizten Salon an Stelle der früheren Reklamationen auf offener Straße.


Quelle: http://www.laut.de/Wir-Sind-Helden

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