Cäthe

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Cäthe

Beitrag von micha1909 am Di Jan 10, 2012 10:47 am

Cäthe – singendes Sandkorn mit Stimmgewalt und eigenen Liedern

Man kann nicht alles singen, nicht alles essen, man kann nicht alles haben und nicht überall wohnen – man ist ja nur ein Sandkorn am Ufer des weiten Meeres dieser Welt. Aber oho, ein Sandkorn. Hut ab vor einem Sandkorn, denn auch die Perle einer Muschel ist bekanntlich aus einem Sandkorn gewachsen.

Als Cäthe an einem grauen Novembertag 1982 in Staßfurt zwischen Berlin und Magdeburg geboren wurde, war sie noch das kleine Sandkörnchen Catharina Sieland, wie es zu Millionen am Ufer der nahen breiten dahin fließenden Elbe zu finden war. Aber dieser Novembertag war ein Sonntag. Bald nahm das Geheimnis seinen Lauf. Schon früh begann das Sandkörnchen zu trällern, im Kindergarten, in Treppenhäusern, wo sich die Gezwungenermaßen-Zuhörer noch die Ohren zuhielten oder sich Stille mit Bonbons erkauften. Dennoch: Allen Unbilden zum Trotz, die Musik war längst in ihrem Herzen. Die Eltern waren froh darüber. Ihr Vater besaß zwar Beatles- und Rolling Stones-Platten, konnte aber selbst nicht singen, und die Mutter liebte zwar Goethe, ohne die „Leiden des jungen Werthers“ gelesen zu haben.

Cäthes Kindheitsträume endeten wie die aller Mädchen, am Meer, in der Ferne oder über den Wolken, die Realität dagegen reichte meistens nur bis auf den Campingplatz am Plauer See. Aber auch dort war es schön, weil man zusammen mit dem Bruder heimlich die Stimmen von Terence Hill und Bud Spencer hören konnte.

Die Ausreise wenige Monate vor der Wende von Staßfurt nach Aalen in Baden-Württemberg war in das Leben der Siebenjährigen ein tiefer Einschnitt, der aber den Wunsch zum Singen nur verstärkte. Nun lag der kleinen Catharina plötzlich die ganze Welt der Töne zu Füßen. Ihr erster Eklat im Westen bestand darin, dass sie ihrer Barbiepuppe einen Kurzhaarschnitt verpasste. „Sie sollte so aussehen wie ich.“ Auch Cäthe war schlank wie eine Barbiepuppe, lief, trieb Sport, tanzte Rock n´ Roll und war wendig wie eine Wildkatze. Sie konnte aus dem Stand durchstarten, explodieren, beinahe platzen und dann wieder bockig sein wie ein wolliges Schaf.

Mit zwölf kaufte ihr der Vater eine Gitarre. Bald gab es kein Halten mehr. Die Sängerinnen-Karriere lag wie eine Autobahn vor ihr. Mit vierzehn gab sie ihr erstes Konzert in der Kneipe von Bobby Brown. Fast wäre sie vor Lampenfieber zersprungen. Aber alles ging gut. Blonde Mähne, Hippies, Dörfer, Kaugummi etc. – alles wurde abgearbeitet auf der Suche nach sich selbst. Aber Cäthes Mutter wollte bei der Suche mitspielen. Sie fand eine Kunstschule für Schmuck und Design für die Tochter. Das war nicht schlecht, aber die Fachschule für Musik- und Gesangsausbildung in Dinkelsbühl gefiel dem Musiktalent besser. Dort erlernte sie selbst Dirigieren. Ein Sandkorn bleibt man vorerst auch nach dem besten Schulbesuch, wenn nicht ein Glücksfall eintritt. Und er trat ein. Cäthe hatte schon in der Schule eigene Lieder geschrieben, sie am Wochenende, wenn alle nach Hause fuhren, in ein verstimmtes Klavier gehämmert und auf Tonträger aufgenommen, sich autodidaktisch zum Songwriter entwickelt. Sie hätte Englisch schreiben können, doch sie schrieb Deutsch, „weil man sich so besser ausdrücken kann“, und sie wollte ihre Lieder in Deutsch singen. Selbstgeschriebene Texte, die bei ihr immer autobiografischen Bezug haben, dienen der Selbstfindung, das Wichtigste vielleicht für einen angehenden Künstler. Aber Cäthe wusste bald, vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Ihr künstlerischer Weg kannte bald Höhen und Tiefen, diverse Nebenjobs und unendliche Kontaktgespräche, führte über Mannheim schließlich nach Hamburg, wo sie an einer Hochschule einen mehrwöchigen Popkurs absolvierte. Hamburg gefiel ihr, und 2005 zog sie ganz in die alte, schöne Hansestadt. Mit Kallas, Flozze, Kriton und Philipp baute sie sich eine Band auf, die es mit ihren Instrumenten versteht, das scheppernde Herz der Musik anzutreiben und die mutige Popsängerin, die alle Facetten auf der Bühne auslebt, auf ihrem ungewöhnlichen Pfad zu begleiten. Sie schrieb Lied auf Lied und die Anzahl ihrer Fans wuchs von Tag zu Tag.

Auf diese Weise ist aus dem Sandkorn von Staßfurt heute in Hamburg eine Perle geworden. In wenigen Monaten wird Cäthe ihr erstes Album herausbringen. Erst dann werden sie und ihre Bewunderer erfahren, ob diese schmächtige, schreibende und singende Musikathletin es geschafft hat, ob die Verwandlung vom Sandkorn zur Perle kein Märchen ist.

JOHN HANSEN


Ihre Musik zu beschreiben, kann abenteuerlicher als ein Ritt auf einem zornigen Bullen werden. Einflüsse von Technikgefrickel (Elektro) vermengen sich mit chansonhaftem Gesang, die Attitüde ist ein oft dahingerotzter Punk samt brüchiger Stimme, die verletzliche Lyrik ebenso transportiert wie plakative Pop-Prosa. Man könnte sagen, da läuft Hermann Hesse auf der Suche nach dem Glück, welches er in der Liebe immanent sah, über die bunten doch geraden Straßenbilder des Piet Mondrian.
Oder so: Cäthe ist eine Herausforderung, der man sich stellen sollte!

tape.tv


Diskographie

28.01.2011 - Señorita EP
30.09.2011 - Ich muss gar nichts

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